Auf der Suche nach der Himmelsstadt (1)

MAR_Wappen_bluevisionAngefixt von der »Gemeinschaftsserie« von Unigenita und Tarquinius, meinem Forschungsdrang (jaja, der Naturwissenschaftler) und dem (noch) guten Wetter, verschlug es mich heute erneut ins nahegelegene Zisterzienserkloster.

Die Kirche nicht nur als schönes Gebäude und bestenfalls Gotteshaus zu sehen, sondern das himmlische Jerusalem darin zu entdecken und zu erfahren soll Ziel meiner heutigen und kommenden Expeditionen sein. 🙂

23. Oktober 2015:

Die Abteikirche Marienstatt im Nistertal, bei Streithausen.

Was ich schon weiß:

Es sollten frühgotische Elemente zu finden sein, da die Abteikirche als „erste rechtsrheinische gotische Kirche in Deutschland“* gilt. Die liebe Unigenita klärte mich bereits darüber auf, dass Zisterzienser-Gotik außerdem besonders durch ihre Schlichtheit auffällt: Keine Türme, keine bunten Fenster, keine Bilder an den Wänden, viel Stein…
Aber auch die Barockzeit soll in der Kirche ihre Spuren in Form von Altären hinterlassen haben.

Bilder und Entdecktes:

Die Kirche von außen

Betrachte ich die Kirche von außen fällt tatsächlich schon auf, dass es keine Türme gibt. Bereits beim auf die Kirche zugehen fallen jedoch links und rechts die Streben auf. Auch das Fenster und die Pforte weisen den typischen Spitzbogen auf. Das Ganze ist mir natürlich nicht heute zum ersten Mal aufgefallen. Allerdings hatte ich dies bisher nicht weiter mit Gotik assoziiert. Über der Pforte thront die Muttergottes mit dem Jesuskind im Arm – Klar, wir sind ja auch in MARIENstatt.IMG_0068
Beim Rundgang (bei dem ich auch den Kreuzweg des Klosters entdeckte) wurde schnell deutlich, dass Unigenita recht hatte: Nichts war zu sehen, von den „himmlischen Heerscharen die an den Strebepfeilern wachen“ oder von den „Wimpergen, Nischen und Tabernakeln, in denen die
heiligen Männer und Frauen wohnen“ die Tarquinius in seinem Beitrag so begeistert beschrieben hatte. Stattdessen: nackter Stein, glatt und schlicht. Einzig eine Verzierung konnte ich doch noch entdecken. Bei einem Seiteneingang befindet sich über der Tür eine Rose – Ich schätze, ebenso wie die Eingangspforte, als Zeichen Mariens?!

Die Kirche von innen

IMG_0039Beim Betreten der Kirche fallen einem sofort die hohen Gewölbe mit den Kreuzrippen ins Auge. Auch ein Merkmal, dass mir bereits auffiel, ich aber mit nichts in Verbindung gebracht habe. Die Kirche ist hell erleuchtet, die großen Fenster lassen viel Licht hereinfallen. Gegliedert (?) ist sie in drei Schiffe, von denen das mittlere auf den Altar ausgerichtet ist. Der Chorumgang ist über die gesamte Kirchenbreite für die Öffentlichkeit leider nicht zugänglich. (Ganz verstehen tu ich nicht, wieso es im Ostschiff eine Absperrung gibt – am Westschiff kann ich es noch nachvollziehen, da dort auch der Weg zu der Klausur der Mönche angegliedert ist.)
Die Fenster sind ebenso schlicht wie der Außenbau vermuten ließ. Hell, schmal und langgezogen und ohne Fensterbilder. Drei „bunte“ Fensterbilder gibt es aber dennoch zu entdecken (eins befindet sich bereits hinter der Absperrung und ist nicht so gut zu sehen):


Auch hier findet sich der Spitzbogen an jeglicher erdenklicher Stelle – Selbst das hereinfallende Licht beleuchtet in Spitzbogenform die auf der gegenüberliegenden Seite kleineren „Spitzbogeneinbauten“.


Neben den barocken Seitenaltären, welche leicht zu erkennen sind, frag ich mich, ob auch die Absperrungstore Relikte des Barocks sind? Es passt nicht ganz in mein Bild der gotischen Kirche, sie scheinen eher zu „stören“, als etwas zu vervollkommnen. So, als wären sie nicht vorgesehen gewesen.
Bei den Hochaltären, die die Westseite der Kirche zieren, handelt es sich um einen Dreifaltigkeits-Altar, geweiht im Jahr 1717 (gestaltet von Johann Valentin Neudecker d.Ä.), einem Antonius-Altar,(Hl. Antonius von Padua) geweiht im Jahr 1718 und einem Barbara-Altar,(Hl. Barbara von Nikomedien) ebenfalls geweiht im Jahr 1718. Ebenfalls im barocken Stil befinden sich zwei Beichtstühle auf der Westseite des Seitenschiffs (welche nicht unbedingt zum Beichten einladen, möchte ich anmerken).


Mit Gotik und Barock war’s das dann. Zumindest ist mir nicht weiter aufgefallen. Der Vollständigkeit halber möchte ich nun aber auch noch die Gnadenkapelle mit dem Gnadenbild der Muttergottes erwähnen. Dieses wird seit 1423 in Marienstatt verehrt.
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Der Versuch das Ursularetabel zu photographieren ist leider nicht so gut gelungen. Ein wenig sieht man auch das Chorgestühl der Zisterzienser, allerdings auch das nicht zugänglich. Dafür, als nun krönenden Abschluss, gibt es den heute genutzten Volksaltar in bestmöglicher Qualität… Wenn das nicht zum Gruseln ist. 😉 (Hineinpassen ins Bild tut der übrigens noch weniger…)
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Fazit:

Marienstatt besitzt eine schöne Abteikirche, die ich gerne immer wieder besuche. Das war schon vorher so, hat sich nun gewiss auch nicht geändert. Die gotischen Elemente sind tatsächlich nicht zu übersehen, wenn man weiß wonach man schauen muss – Dennoch habe ich da sicher nicht so viel erkannt, wie es so zu erkennen gegeben hätte – Dazu fehlt mir einfach auch schlicht das passende Wissen, Vergleichsmöglichkeiten und Erfahrung.
Was sich sagen lässt: Schon bevor ich nun wusste, dass diese Kirche gotisch ist, habe ich mich in ihr wohler gefühlt, als in unserer „modern gebauten“ Kirche des Städtchens. Allein das viele Licht was hineinfällt lässt sich einen direkt wohlfühlen.
Liegt es nun tatsächlich daran, dass man in ihr etwas erfährt, was neue, moderne Kirchen einfach nicht mehr besitzen? Das der Stil und das was die Kirche versucht sein zu wollen, eben diese Himmelsstadt, sich einen dort einfacher offenbart (?) und zur Ruhe kommen lässt?
Ich denke das gilt es in weiteren Kirchengebäuden zu entdecken und herauszufinden. 😉

Was mir heute auch noch aufgefallen ist – Man verlässt diese Kirche nicht einfach so. Man spaziert nicht durch die Tür, man merkt förmlich, dass man beim hinausgehen Etwas verlässt, etwas das heilig ist. Ebensowenig wie man sich in dieser Kirche aufhalten kann, ohne ein Gebet zu sprechen, kann man sie verlassen, ohne sich noch einmal umzudrehen, Gott auf wiedersehen zu sagen und ehrerbietig das Knie zu beugen. Deo gratias.

(* http://www.abtei-marienstatt.de)

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8 Kommentare

  1. Was für ein schöner Bericht von deinem Forschungs-Ausflug!! Klasse! Und die Bilder sind ja echt toll!
    Was mir auffällt, ist der, wenn ich das richtig sehe, runde Chor mit Umgang. Das ist nämlich etwas Zisterzienser-Gotik untypisch. Auf jedenfall eine schöne Kirche und es freut mich, dass du den „Geist der Gotik“ erfahren hast… leider offenbar ja auch den „Geist des Konzils“….aber gut, was will man machen… 😉

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    1. Dankeschön. 🙂
      Was genau meinst du mit „runde Chor mit Umgang“? 😀 Wie ist es denn normalerweise bei der Zisterzienser-Gotik?
      Ja, dieser Altar…. Ich weiß auch nicht… Einerseits >mal was anderes<, andererseits genauso unpassend wie woanders auch… Was will man machen.^^
      Und vielen Dank fürs rebloggen 😉

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  2. Vielen Dank für diesen schönen Beitrag und die vielen, wunderschönen Bilder! Gerade den letzten Gedanken teile ich besonders: eine liebevolle, partikulare Kirchenarchitektur hilft uns Menschen, dieses Gebäude als „Haus Gottes“ anzusehen. Je mehr es aussieht wie eine Fabrikhalle bzw. ein Wohnzimmer, desto mehr traut man sich auch, darin einfach so wie im Alltag weiter zu tratschen – mit schlimmen Folgen. Auf meinem Blog erzählte ich einmal davon, dass mein Vater in etwa argumentierte, dass wir nicht schon früher in die Kirche (die hier äußerst modern ist) fahren sollten, weil dort so eine unruhige Atmosphäre vor der Messe wäre, weil alle miteinander redeten…Da denke ich, muss man gerade hinfahren und sich in die Bank knien 😉 Jedenfalls danke für Deine wertvollen Beobachtungen!

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    1. Weil es gerade dazu passt (zumindest ein wenig): Genau das hab ich heute auch beobachtet, allerdings nicht in einer „Wohnzimmer-Kirche“, sondern im Trierer Dom und angrenzender Liebfrauenkirche. Natürlich, die Leute, die da rein gehen sind eben Touristen und nicht zur Messe dort o.ä., aber ein ganz wenig Respekt sollte man doch erwarten können? Besonders erschreckend fand ich es, dass vor der Kapelle zum Heiligen Rock Schrein sogar ein Schild stand „Nur für Beter“ (was ist denn „Beter“ für ein Wort…?), sich jedoch eine Touristengruppe nach der anderen dort hoch begibt und es Ihnen auch egal ist (oder man gar mit großen Augen und verwundert angesehen wird) wenn man dort wirklich betet. …

      Und all das grade weil die Architektur so interessant und liebevoll ist… Ich finde das sehr schade. 😦

      Deinen Gedankengang kann ich nachvollziehen und finde ich sehr schön. Am besten geht man ja immer mit guten Beispiel voran. Sehr lobenswert. 😉
      Ich kann mir jedoch vorstellen, dass die Umsetzung sehr schwierig ist. Ich weiß selbst von mir, dass ich da bei uns immer Hemmungen hatte und auch lieber kurz vor knapp da war, während ich es sonst bevorzuge lieber ein paar Minuten eher da zu sein… Na, das wäre doch noch ein gutes geistliches Barmherzigkeitswerk, oder?;-)

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      1. Oh ja, das „Touristenproblem“ ist noch einmal ein ganz anderes Kaliber…Dessen werde ich mich bestimmt auch einmal in einem Beitrag annehmen (Du vielleicht auch ;))
        Darüber hinaus bin ich begeistert! Du vernetzt und Du denkst an die Werke der Barmherzigkeit 😀 Nein, ehrlich, schön, dass Du immer wieder darauf zurückkommst. Ich sehe absolut, dass das ein solches Werk sein kann, weil ein andächtiges Beten – wenn es aus dem Herzen kommt – tatsächlich ein Anstoß für andere sein kann.

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