Chesterton

Die Freude als Herzstück des Glaubens

Wichtiger als alle Informationen oder intellektuellen Argumente, die ich von Chesterton erhalten habe, ist ein neuer, »romantischer« Blick auf meinen Glauben, den er mir eröffnet hat. Heidnische Tugenden wie Gerechtigkeit und Mäßigung sind ihm zufolge die traurigen Tugenden. Die christlichen Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Barmherzigkeit sind dagegen erfüllt von Fröhlichkeit und Jauchzen.

Jede von ihnen hat etwas Waghalsiges an sich: »Christliche Nächstenliebe heißt etwas verzeihen, was unverzeihlich ist, sonst wäre sie gar nicht erst eine Tugend. Hoffnung heißt hoffen, wenn alles hoffnungslos ist, sonst wäre sie keine Tugend. Und Glaube heißt das Unglaubliche glauben, sonst wäre auch er keine Tugend.«

Ich erkannte, dass mein eigener Glaube zu einer verkniffenen, ingrimmigen Übung in spiritueller Disziplin geworden war, zu einem Gemisch aus Askese und Rationalismus. Die Freude war auf der Strecke geblieben. Chesterton gab mir ein Gefühl von Romantik zurück, einen Durst nach den fröhlichen, jauchzenden Tugenden. »Verzweiflung«, erklärte er, »besteht nicht darin, dass man das Leidens überdrüssig ist, sondern dass man die Lust an der Freude verloren hat.«

Philip Yancey, Nachwort zu G.K. Chesterton – Orthodoxie – 2. Auflage 2015

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