Mystik

Zum letzten Mal Dr. Casel

»Als das All im tiefsten Schweigen lag und die Nacht die Mitte ihres Laufes erreichte, da stieg dein allmächter Logos, Herr, vom Himmel zu seinem königlichen Sitze herab.«
Die Worte stammen aus dem Buch der Weisheit (Kap. 18) und beschreiben zunächst das Herabkommen des Würgengels auf Ägypten. In der Weihnachtszeit gesungen, erinnern sie uns beim ersten Hören an die stille Weihnacht, in der Christus geboren wurde. Aber die Gegenüberstellung von Schweigen und Logos deutet Tieferes an. Sie zeigt uns, daß der göttliche Logos nur dort erscheinen kann, wo alles Irdische schweigt. Nacht muß es sein, wo das Licht Gottes aufstrahlt, Schweigen muß herrschen, wo Gottes Stimme vernehmbar werden soll.

Dr. Odo Casel, Die Liturgie als Mysterienfeier, 1922

Die „mysteriöse“ Sprache

Auch die Form, in der die Liturgie gefeiert wird und die ja aus ihrem Mysteriencharakter hervorwächst, nimmt teil an dieser zugleich schützenden und verherrlichenden Kraft. Die Symbole zeigen an und verhüllen. Hier liegt auch der tiefste Grund, weshalb die Liturgie nicht in der Sprache des Alltags, sondern in altehrwürdiger Kultsprache gehalten wird. Zeiten rationalistischer Aufklärung, die den Hauptwert des Gottesdienstes in sittlicher Belehrung und Erziehung zu guten Staatsbürgern fand, nahmen immer wieder daran Anstoß. Demgegenüber wiesen erleuchtete Geistesmänner auf die tiefe Bedeutung einer altgeheiligten, erhabenen Sprache für den Kult hin. Aus der Fülle der Gründe, die dafür sprechen, heben wir unserem Thema entsprechend nur einen hervor:  Die Liturgie will in erster Linie Verehrung Gottes sein. Deshalb muss ein Schimmer von der Heiligkeit und Majestät Gottes auf sie fallen. Würde sie aber in der Sprache des alltäglichen Verkehrs gehalten, so würde der zarte Duft einer höheren Weihe von ihr gewischt. Der feingewirkte Schleier der fremden Sprache, der auch für den der Sprache Kundigen den heiligen Text in eine höhere Sphäre erhebt und mit geheimnisvoller Würde umwittert, gibt der Liturgie ein größeres Ansehen und einen überirdischen Glanz. Auch der zweite Zweck der Liturgie, der mit dem ersten im Grunde zusammenfällt, die Heiligung der Seelen, wird durch die alte Sprache nicht gehemmt, sondern eher gefördert. Denn nicht Belehrung des Verstandes und Erziehung des Willens ist das, was die Mysterien zunächst anstreben, sondern ein innerliches Erfahren des göttlichen, übernatürlichen Lebens. Das Heilige aber wirkt in erster Linie nicht auf den Verstand oder den rationalen Willen, sondern auf die Seele.  Das geheimnisvolle Schweigen, das schließlich auch in der Anwendung einer fremden Sprache liegt, redet aber lauter von der Heiligkeit Gottes als die eindringlichste Belehrung. Der Mensch strebt zudem gerade im Gottesdienst über sein gewöhnliches Dasein hinaus; unwillkürlich greift er, wenn er von Gott oder zu Gott spricht, zu erhabenen Worten, die sonst nicht in seinen Mund kommen. Gerade die antiken Sprachen aber haben schon aus sich und jetzt auch noch durch ihre objektive, feierliche Unveränderlichkeit eine Kraft und Würde, die von keiner lebenden Sprache erreicht werden. So eignen sie sich besonders zu einer sakralen Sprache. Ein Abglanz zeitloser Ewigkeit fällt durch sie auf die gottesdienstliche Handlung.

Dr. Odo Casel, Die Liturgie als Mysterienfeier, 1922, S.146 f.

Da stellt man sich doch folgende Fragen: Wieso gibt es nicht mehr viele von diesen »erleuchtenden Geistesmänner«? Will die Liturgie heute nicht mehr »Verehrung Gottes« sein? Wieso nimmt man der Liturgie ihr »großes Ansehen« und den »überirdischen Glanz«? Möchte man nicht mehr auf die Seele einwirken?

Das innere Gebet

Vor ungefähr 12 Wochen, als ich ernsthafte Gespräche zum Thema Glaube, Gott und Gebet suchte, schrieb man mir zum Thema Kontemplation dies:

„Letztlich läuft es darauf hinaus, dass die innere Unterhaltung, die man führt, mehr und mehr eine Unterhaltung mit Gott wird. Dass er der erste Gesprächspartner in unserem Leben wird.“

Schon damals fand ich das genau das die Quintessenz ist. Aber auch noch oder gerade heute finde ich, das es wichtig ist, sich eben dies Tag für Tag aufs Neue vor Augen zu führen und es nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Den Tag mit Gott zu verbringen und nicht vor sich hinzuleben und ihm am Ende nur davon zu berichten.

Ich danke Dir vielmals für Deine Worte.

Von der Rehabilitation der Heiligen in das alltägliche Leben

Da mir nun schon länger und immer häufiger dieses Thema im Kopf rumspukt und es erst gestern für mich irgendwie wieder aktuell wurde, heute also ein kurzer Beitrag dazu.
Schon öfter ist mir aufgefallen, dass Heilige gar nicht mehr den Stellenwert im Glauben, der Kirche oder dem Leben überhaupt haben, wie es vielleicht früher einmal war. Ich bilde mir zumindest ein, dass es früher anders war, es wirkt auf mich so in Büchern, Geschichten, Erzählungen, Berichten… Es wirkt so, als hätte man früher öfter über Heilige gesprochen, als wären sie präsent gewesen.

Hl. Johannes Nepomuk ("Brückenheiliger"), auf der Alten Lahnbrücke in Limburg.

Hl. Johannes Nepomuk („Brückenheiliger“), auf der Alten Lahnbrücke in Limburg.

 

So, wie wir uns heute über Manuel Neuer als neuen Fußballstar oder über Kevin Spaceys neue Rolle als Francis Underwood unterhalten, ihr Leben und Wirken verfolgen, sie bewundern und sie irgendwie doch einen Teil unseres Freizeitvergüngens ausmachen – So stell ich es mir vor wurde früher über besonders heilige, fromme oder wundersame Menschen gesprochen. Sie standen vielleicht nicht in der Öffentlichkeit, ihr VIP-Status war nur auf eine kleine Gruppe Menschen beschränkt, aber dafür war der Wert ihres Wesens und ihres Lebens größer und heilsamer, als der von Herrn Neuer.

Setzen wir hier nicht einfach die Prioritäten falsch? Sollten wir unsere Vorbilder nicht auf einer anderen Ebenen suchen, als diese auf der wir uns selbst befinden? Es gibt doch eigentlich gar kein schöneres bestreben, als denen ähneln zu wollen die bereits ganz nah bei Gott sind und von denen wir wissen, dass sie für uns eben genau dies auch möchten.
Manuel Neuer ist es sicherlich egal, ob ich ihn bewundere und er kann für mich auch nichts tun – Er ist einfach auch nur ein Mensch, den im Prinzip dieselben Hürden und Steine in den Weg gelegt werden.

Immer mal wieder bin ich betrübt, wenn ich selbst feststelle, dass ich diesen besonderen Menschen, den von Gott für uns gesandten Menschen, so wenig Interesse entgegenbringe. Das ich mich so wenig mit ihnen „beschäftige“, sie nicht wirklich zu würdigen weiß. Das ich Angebot des Beistands, der Hilfe nicht wirklich zu schätzen und anzunehmen weiß. Mir kommt es häufig so vor, als würde gerade dadurch so viel verloren gehen und so viel Potenzial ungenutzt bleiben.
Daher freut es mich umso mehr, wenn ich hin und wieder durch andere Beiträge mal wieder daran erinnert werde, wen es da so alles gibt und was für Geschichten und Legenden sich um die ein oder andere „Figur“ ranken. 🙂 Zuletzt hier bei Andreas, hier bei Tarquinius oder hier bei Theresia (um drei sehr verschiedene Beispiele zu nennen).

Zuletzt, um auch auf den Titel des Beitrags zu sprechen zu kommen, zeigt es aber eben auch, dass bei dem ein oder anderen die Heiligen nicht out sind. Das sie lebendig sind, dass sie doch nur darauf warten, dass wir zu ihnen kommen. Das sie bewusst in unser Leben wiedereingegliedert werden können – Wenn wir das nur wollen.

Gedankenpalast

Als mir gestern die vorangeganene Textstelle unerwartet begegnete hat sich in mir der Gedanke manifestiert, dass man so etwas doch teilen muss. Das man es mitteilen muss, raus in die Welt tragen muss, und es sich nicht in einem Buch in einer Kirche verstecken sollte.
Schon länger spielte ich immer mal wieder mit den Gedanken von mir neuentdecktes festzuhalten – Damit es auch nicht wieder in Vergessenheit gerät. Gestern fiel dann der Entschluss es endlich einmal in die Tat umzusetzen. 🙂

Hieronymus Jaegen, mir bis dato unbekannt, vermittelte mir mit seinen Worten ein plötzliches Glücksgefühl, mit dem ich anschließend auch die Messe (trotz einiger Ärgernissen) gut gelaunt und freudig verlassen konnte.
Immer mal wieder stelle ich mir die Frage welchen Sinn dies und jenes im Leben macht, welchen Sinn denn das eigene Leben im Großen und Ganzen hat. Nicht immer sind diese Gedanken negativer Natur, sondern reiner Neugier oder vorangeganger Gedanken entsprungen. Die Sinn-Frage, welche in der Schule plagiativ und unbedacht aufgearbeitet und behandelt wird, bei der ich jedoch schon damals keine befriedigende Antwort erhalten habe. Sätze wie „Lebe Deine Träume“ oder „Vergeude die Zeit nicht, tu was Dir gefällt“ klingen ja wunderbar, mögen in einem gewissen Umfang ja zutreffen, aber das große Ganze hat mir damals da schon gefehlt. Es fehlt der vorgegebene Rahmen, in dem sich doch alles irgendwie bewegen muss, das große Ziel, auf das man hinarbeiten sollte. Es fehlt das von außen kommende.
Und genau da setzen die Worte von Herr Jaegen an. Er gibt die Worte unseres Herrn Jesus Christus wieder, der genau sagt wie wir unsere Prioritäten setzen sollen. Der deutlich macht wie unser Leben aussehen sollte – Und der uns genau dabei helfen möchte, indem er in und durch uns wirkt. Und dadurch, dass er das tut, können wir überhaupt erst diesen Standpunkt einnehmen, diesen Sinn sehen und annehmen. Und wie viel mehr erfreuen mich diese Worte, als irgendwelche Hippie-Sprüche, die nur dazu da sind dem Menschen selbst zu dienen!

Inspiration des Tages

Jesus spricht:

Stelle dich auf den Standpunkt,
dass du aus keinem anderen Grund mehr
auf dieser Erde bist,
als um mit mir das Leben zu leben,
das ich mit dem Vater
und dem Heiligen Geist
in dir leben will.

Hieronymus Jaegen

Wenn man plötzlich das Gefühl hat Gott möchte einen etwas mitteilen, er lenkt die Aufmerksamkeit auf Etwas ganz bestimmtes – Dann ist es das Wert sich damit zu beschäftigen.