Zisterzienser

Die Liebe im Leben

Reminíscere miseratiónum tuarum, Dómine,
et misericórdiæ tuæ, quæ a saeculo sunt:
ne umquam dominéntur nobis inimíci nostri:
líbera nos, Deus Israël,ex ómnibus angústiis nostris.

Introitus

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Abtei Marienstatt, Streithausen

Da ich neulich so viel über die neue Messe gemeckert habe, ist es nur fair, wenn ich auch mal was nettes sage. Heute, im lateinischen Choralamt des nahegelegenen Zisterzienserklosters, war die Messe, bis auf 1,2 Kleinigkeiten, wirklich ganz in Ordnung!
Es gab sogar zwei Lesungen (das muss man ja auch mal erwähnen) und auch die Predigt war heute sehr… ergreifend.
In Bezug zum Evangelium, welches heute zumindest inhaltlich in alter und neuer Messe gleich war, zitierte der Priester jemanden (ich weiß leider nicht mehr wen) folgendermaßen:

Wenn ihr nicht liebt, dann lebt ihr nicht. Aber wenn ihr liebt, dann töten sie euch

Ein schönes Zitat, dass vieles in sich trägt.

Gedankenpalast – Das heutige Evangelium der „neuen Messe“ in Bezug zum Christkönigsfest

Seit der Liturgiereform wird das Christkönigsfest in der neuen Messe am letzten Sonntag des Kirchenjahres, gegen Ende November, gefeiert. Im ordentlichen Ritus begangen wir heute also den 30. Sonntag im Jahreskreis, während im außerordentlichen Ritus das Christkönigsfest gefeiert wurde. Dahingehend nun ein paar Mess-verknüpfende Gedanken des heutigen Evangeliums & Predigt der neuen Messe – in Gedenken an die Feier des Christkönigsfest in der alten Messe. 🙂

Mein Schott schreibt in der Vorbemerkung zum Christkönigsfest:

Christus soll mehr und mehr herrschen im Geiste der Menschen durch den Glauben, im Willen durch die gehorsame Unterwerfung unter die Gebote Gottes und der Kirche, des sichtbaren Reiches Christi, im Herzen durch die Liebe, und auch im Leibe, der ja ein heiliger Tempel Gottes sein soll.*

In der neuen Messe wurde heute das Evangelium nach Markus verkündet. Dort heißt es:

In jener Zeit
46 als Jesus mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jericho wieder verließ, saß an der Straße ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus.
47 Sobald er hörte, dass es Jesus von Nazaret war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir!
48 Viele wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!
49 Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich.
50 Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu.
51 Und Jesus fragte ihn: Was soll ich dir tun? Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich möchte wieder sehen können.
52 Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen, und er folgte Jesus auf seinem Weg.

Mk 10,46-52

In seiner Predigt sprach der Zisterzienser-Pater zwei für mich interessante Dinge an:

Zum einen, warum Jesus Bartimäus hier denn überhaupt noch fragt „Was soll ich Dir tun“ – Das es doch offensichtlich sei, wozu die Nachfrage?

— Nun, er warf hier zunächst die Frage ein, warum wir Gott denn überhaupt um etwas bitten, warum wir beten, denn es hieße doch Gott wisse alles von uns, er würde unser Inneres und unser Herz kennen – Er wüsste wie es um uns bestellt ist – Wozu das Ganze also überhaupt? Warum fragt Jesus Bartimäus was er ihm tun kann, wo es doch ganz offensichtlich ist?
Die Antwort ist schlicht und einfach: Wir beten nicht für Gott, denn er weiß natürlich wie es um uns steht – sondern wir beten für uns, dass wir uns dafür bereit machen können etwas zu empfangen. Bartimäus wird gefragt „Was soll ich Dir tun“, um sich mit seiner Antwort klar und deutlich auf das was er erbittet vorzubereiten… Um sein Herz zu öffnen und die Gnade und das Wunder Jesu wirken lassen zu können.
Und so forderte auch der Pater uns auf, unser Gebetsleben nicht zu vernachlässigen. Uns durch das Gebet für das Wirken und den Willen Gottes vorzubereiten und empfänglich zu sein für seine Gnaden.

Die Auferstehung Jesu.  (Das Leben Jesu als Miniaturen dargestellt, ausgestellt im Buchhandel Marienstatt.)

Die Auferstehung Jesu.
(Das Leben Jesu als Miniaturen dargestellt, ausgestellt im Buchhandel Marienstatt.)

Mit diesen Gedanken des Paters kann ich mich gut anfreunden. Ich fand es gut, dass er noch einmal so betonte, wie wichtig das Gebetsleben im Alltag ist – Nicht nur dann, wenn wir uns gerade in einer Notlage befinden, sondern immer und ständig. Dass durch das Gebet es allen möglich ist sich auf die Gnaden von Gott vorzubereiten und diese dann auch zu empfangen. Dass es nichts ist, was wir für Ihn tun – Das Er das nicht braucht, sondern das wir uns selbst dadurch helfen können. Das wir dadurch aber auch selbst in der Verantwortung stehen und bei uns die Schuld suchen müssen, wenn wir versagen oder sündigen. Das Gott uns alles schenken möchte – Aber wir jeden Tag aufs Neue lernen müssen das anzunehmen und Seinen Willen in und an uns wirken zu lassen. Auch hier lässt sich schon ein kleiner Bezug zum Christkönigsfest festhalten: Ohne unser zutun und unsere Bereitschaft können wir gar nicht erst die Gnaden empfangen, die es uns ermöglichen Jesu als König der Völker zu erkennen. Wenn wir unsere Herzen nicht dafür öffnen, wenn wir nicht versuchen uns in Gottes Hände zu begeben… Dann macht alles andere einfach auch keinen Sinn.
In einem Buch über die Hl. Thérèse von Lisieux heißt es, und damit möchte ich auch meine Verschriftlichung zu diesem Punkt beenden:

Wir sind heilig, wenn Gott alles in uns bewirkt, und wir sind nur dann vollkommene Kinder Gottes, wenn Gott uns leitet, uns Einsicht schenkt, und wenn wir uns ihm vollständig überlassen.**

Zum anderen, und dieser Gedanke ist für mich im Bezug zum Christkönigsfest der Wesentlichere: Was Bartimäus denn da überhaupt tut und was für eine Bedeutung dies für uns heute haben sollte.

— Bartimäus, ein blinder Bettler. Er fleht Jesus an, er solle erbarmen haben. Und als die Menschen drum herum ihn verärgert um Stillschweigen bitten, fleht er nur noch lauter. Und nicht nur das: Sobald Jesus ihn zu sich bittet, wirft er seinen Mantel fort – Seinen einzigen Besitz, das Einzige was ihn im Winter vor Kälte und Regen und sicherlich vor dem sicheren Tod bewahrt. Er wirft es fort und stürzt in völliger Dunkelheit zu Jesus. So sicher ist er sich, dass Jesus ihn retten wird – Dass Jesus erbarmen haben wird. Und natürlich hat er dies auch. Er heilt Bartimäus von seiner Blindheit. Und wie reagiert Bartimäus darauf? Nicht indem er sich nun seines sehenden Lebens erfreut und seines Weges geht – Nein, er folgt Jesus. Er wird einer seiner Jünger!
Der Pater kam darauf zu sprechen, wie viele doch des Herzens blind sind, während Bartimäus‘ Herz glauben konnte und ihm dadurch Wunder geschenkt werden konnten. Dass Bartimäus hier alles auf eine Karte setzt – Dass ihm der Widerstand unwichtig ist. Sein ganzes Leben hat er in Jesu Hände gelegt – Und anschließend schließt er sich ihm an und folgt ihm, horcht auf seine Worte und gehorcht ihm.

Hier schließen sich nun meine Gedanken zum Christkönigsfest an. Bartimäus, der sein ganzes Vertrauen auf Jesus setzt, und der ihm anschließend folgt und nach seinen Worten und Gesetzen lebt. Findet sich hier nicht genau das, was der Kommentar zum Christkönigsfest sagt? Christus der an Bartimäus ein Wunder verbringen kann – Weil dieser glaubt und liebt. Bartimäus, der sich Jesus gehorsam unterwirft, ihm folgt und seine Gesetze befolgt.
In der Präfation des Christkönigsfest heißt es:

Und wenn Er [Anm. Jesu] einst alle Geschöpfe Seiner milden Herrschaft unterworfen hat, soll Er Deiner unendlichen Majestät ein ewiges, allumfassendes Reich übergeben: ein Reich der Wahrheit und des Lebens, ein Reich der Heiligkeit und der Gnade, ein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens.***

Bartimäus, und alle anderen Jünger, die Jesus folgten, folgten ihm ganz und gar, mit Leib und Seele liebten sie ihn – Sie verehren ihn als König, so wie die Propheten ihn bereits verkündet hatten (zB Ps. 2, Ps. 71, Ps. 109). Das Evangelium am heutigen Tag macht uns also noch einmal deutlich, dass die Jünger sich der milden Herrschaft Jesu unterworfen haben – Dass sie somit der Beginn seiner Königsherrschaft bilden. Denn ohne die Jünger, ohne uns heute glaubenden Menschen – Über wen sollte Christus herrschen? Für wen sollte er König sein?
Er ist es für uns heute, wie er es damals für die Jünger war. Und wenn die gesamte Menschheit, sowohl in Vertretung für die Völker in Form der Staatsgewalten, als auch jeder Einzelne für sich, das eines Tages erkannt hat… wenn wir alle Jünger Jesu geworden sind… wenn wir alle das weggeworfen haben was uns vermeidlich am Leben erhält und alles auf die „Karte Jesu“ setzen – Dann wird endlich das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens kommen. 🙂

* Anselm Schott – Das Messbuch der heiligen Kirche, neubearbeitet von Benediktinern der Erzabtei Beuron, 37. Auflage, 1934
** Maria-Eugen Grialou OCD – Meine Berufung ist die Liebe. Die Botschaft der heiligen Therese von Lisieux, 5. Auflage, 2008
*** Präfation für das Christkönigs-Fest

Auf der Suche nach der Himmelsstadt (1)

MAR_Wappen_bluevisionAngefixt von der »Gemeinschaftsserie« von Unigenita und Tarquinius, meinem Forschungsdrang (jaja, der Naturwissenschaftler) und dem (noch) guten Wetter, verschlug es mich heute erneut ins nahegelegene Zisterzienserkloster.

Die Kirche nicht nur als schönes Gebäude und bestenfalls Gotteshaus zu sehen, sondern das himmlische Jerusalem darin zu entdecken und zu erfahren soll Ziel meiner heutigen und kommenden Expeditionen sein. 🙂 (mehr …)