Zitat

Ein bisschen Lesedruck…

Dass Gott unendlich mächtig und gut ist, dass er weder eine in sich schlechte Welt noch die beste der möglichen Welten erschaffen kann, dass er das Auftreten des Übels in seinem Werk nicht zulassen würde, wenn er nicht mächtig und gut genug wäre, um es auf irgendein geheimnisvolles Gut hinzuordnen – alle diese metaphysischen Gewissheiten und unerschütterlichen Wahrheiten bleiben endgültig unser Besitz; im Lichte der göttlichen Offenbarung verlangen sie jedoch, von der Stufe des Verstandes auf die Stufe des Glaubens, von der Welt der Natur in die Welt der Gnade gestellt zu werden.

Charles Journet, Vom Geheimnis des Übels, S.140

Bisher hab ich nicht ganz so gut in das Buch rein gefunden, knapp 3 Monate hab ich für 140 Seiten gebraucht… Da ich jetzt in knapp 3 Wochen 200 Seiten schaffen müsste, hoffe ich das die nächsten Kapitel etwas „entspannter“ sind. 😀 

Immerhin sind sie laut Inhaltsverzeichnis zumindest um einiges interessanter als der Beginn… 🙂 

Erbauliches aus der Bibel

Dieselbe Stelle in verschiedenen Übersetzungen….

Erschienen ist ja die Gnade Gottes als Heil für alle Menschen. Sie leitet uns an, daß wir uns lossagen von der Gottlosigkeit und von den weltlichen Lüsten und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben im Warten auf die selige Hoffnung und das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes Jesus Christus. Er gab sich für uns hin, um uns loszukaufen von aller Ungerechtigkeit und für sich ein reines Volk zu bereiten, das ihm zu eigen ist und eifrig im Wirken des Guten. So rede und mahne und weise zurecht mit aller Entschiedenheit. Niemand soll gering von Dir denken.

Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und nimmt uns in Zucht, dass wir absagen dem ungöttlichen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilands Jesus Christus, der sich selbst für uns gegeben hat, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken. Das sage und ermahne und weise zurecht mit ganzem Ernst. Niemand soll dich verachten.

Tit 2:11-15

In der Welt verfangen

Der Raum ist hell, aber die Seele genießt es nicht, weil dieses wilde Getier sie daran hindert. Es zwingt sie, die Augen zu schließen, damit sie nichts sieht außer diesen scheußlichen Wesen. So muß es wohl meines Erachtens einer Seele gehen, die zwar nicht böse lebt, aber doch so tief in den Dingen der Welt steckt, sich so vollgesogen hat mit Besitz oder Ehre oder Geschäften, daß sie, obwohl sie wirklich den Wunsch hat, sich zu sehen und ihrer eigenen Schönheit sich zu erfreuen, der Umgarnung durch so viel Hinderliches anscheinend nicht entschlüpfen kann.

Teresa von Avila, Die innere Burg, Die erste Wohnung S.33

Ein Filmdialog

 „Gott?“
„Vielleicht.“
„Engel?“
„Nein.“
„Leben nach dem Tod?“
„Nein. Oder vielleicht, keine Ahnung. Ich würde mal nicht so weit gehen nein zu sagen, aber ich hätte gerne ein paar Beweise.
Was ist mit Dir?“
„Auf jeden Fall.“
„Echt?“
„Ich mein jetzt nicht so einen Himmel wo wir auf Einhörnern rumreiten und in einem Wolkenschloss wohnen, aber… Ja. Ich glaube definitiv das da was ist. Ich meine, wenn nicht, was wäre der Sinn?“
„Vielleicht gibt es keinen tieferen Sinn.“
„Das akzeptier ich einfach nicht.“

Das Schicksal ist ein mieser Verräter (The fault in our stars)

Zum letzten Mal Dr. Casel

»Als das All im tiefsten Schweigen lag und die Nacht die Mitte ihres Laufes erreichte, da stieg dein allmächter Logos, Herr, vom Himmel zu seinem königlichen Sitze herab.«
Die Worte stammen aus dem Buch der Weisheit (Kap. 18) und beschreiben zunächst das Herabkommen des Würgengels auf Ägypten. In der Weihnachtszeit gesungen, erinnern sie uns beim ersten Hören an die stille Weihnacht, in der Christus geboren wurde. Aber die Gegenüberstellung von Schweigen und Logos deutet Tieferes an. Sie zeigt uns, daß der göttliche Logos nur dort erscheinen kann, wo alles Irdische schweigt. Nacht muß es sein, wo das Licht Gottes aufstrahlt, Schweigen muß herrschen, wo Gottes Stimme vernehmbar werden soll.

Dr. Odo Casel, Die Liturgie als Mysterienfeier, 1922

„Heimatfest der Liturgie“

O God, who together with the keys of the kingdom of heaven didst bestow on thy blessed Apostle Peter the pontifical power of binding and loosing, grant that by the aid of this intercession, we may be released from the bonds of our sins.*

1929 begann man am heutigen Tag das Fest „Petri Stuhlfeier zu Rom“, welches in der Reform 1960 gestrichen bzw. mit dem Fest des „Pontifikats Petri“ am 22. Februar zusammen gelegt wurde. 

Folgendes Zitat gibt ein paar Gedanken des damals begangenen Festes wieder, die mMn an Aktualität nicht verloren haben. 

Das heutige Fest hat für unser liturgisches Mitleben eine Bedeutung. Sind wir uns bewußt, daß unsere ganze Liturgie eigentlich eine stadtrömische ist? Wir feiern zum größten Teil stadtrömische Heilige, wir feiern die Kirchenweihen stadtrömischer Gotteshäuser; ja im Stationsgottesdienst führt uns die Liturgie zirka hundertmal im Jahr in die römische Stadt, um dort mit dem Bischof von Rom die Meßfeier zu begehen. Nun kommt es darauf an, daß wir uns seelisch eingliedern können, daß die römische Kirche wirklich unser heimatliches Bistum werde. Wenn wir dies zustandebringen, dann wird uns die römische Liturgie zu einem Stück von unserem Herzen. So verlangt es die gegenwärtige Entwicklung der abendländischen Liturgie. Es hätte ja anders kommen können; wenn die Liturgie in der Linie der ersten drei Jahrhunderte geblieben wäre, dann hätten vielleicht wir Deutsche ein eigenes Patriarchat mit einer deutschen Liturgie; dann wäre es für uns leichter gewesen, uns einzufühlen; doch wir müssen mit dem Gegenwärtigen rechnen; da gilt es, sich eins zu fühlen mit der römischen Kirche, wir sind Glieder der römischen Gemeinde; unsere Heimatkirche weiter sich oft zu einer römischen Kirche und wir feiern mit dem römischen Bischof die hl. Mysterien… So wird uns die römische Liturgie vertraut. – Welcher Unterschied besteht zwischen dem heutigen Fest und dem Fest Peter und Paul? Dort feiern wir den Apostel und ersten Stellvertreter Christi, den Papst der Weltkirchenrates, heute aber feiern wir den Bischof der römischen Kirche, in die wir eingegliedert sind.

Es ist also eine Art Heimatfest unserer römischen Liturgie.**

* Tagesgebet des Festes nach den Rubriken „Divino Afflatu“, 1920
** Prof. Dr. Pius Parsch, Das Jahr des Heiles 1929, S.223 f.

Sakrament der Taufe

Wenn der Mensch also
im Glauben an die Kraft Christi das Wasser hinabsteigt und gewissermaßen in ihm untergeht, so stirbt er, aber nicht wirklich, sondern mystisch, insofern der Tod Christi, durch den dieser die Sünde getilgt hat, auf ihn übertragen wird; taucht er aus dem Schoße der Wasser wieder empor, so beginnt für ihn ein neues Leben, jenes Leben der Reinheit und völligen Vereinigung mit Gott, wie es Christus nach der Auferstehung führte. So ist der Mensch in ein neues, göttliches Leben wiedergeboren; die Sünde hat keine Gewalt mehr über ihn. Freilich muss er nun durch sittliche Tatkraft dies neue Leben im einzelnen verwirklichen und durchsetzen; die Taufe wirkt nicht magisch; sie verlangt angestrengte Mitarbeit. Deshalb betont auch Paulus, dass das neue Leben sich erst in der Zukunft ganz offenbaren wird, und deshalb ermahnt er die Römer, sie möchten ihre hohe Würde wohl bedenken und ihr gemäß ihr Leben einrichten. Aber der eigentliche Übergang von dem alten zum neuen Leben ist nicht ein sittlicher, sondern ein sakramentaler Akt; er vollzieht sich in einem äußeren Ritus und bedeutet das innigste Miterleben mit dem leidenden und auferstehenden Gottmenschen, eine Mitkreuzigung und Mitauferstehung. Eine göttliche Kraft, die der Mensch sich bei aller Anstrengung nicht geben kann, geht durch das Sakrament auf ihn über; er wird in eine Lebenssphäre emporgetragen, die unendlich über sein früheres Dasein erhoben ist. So ist der denn nicht mit der alte, rein natürliche Mensch, er ist ein zweiter Christus geworden. «Ihr alle seid Söhne Gottes durch den Glauben an Christus Jesus; denn da ihr in Christus getauft wurdet, zoget ihr Christus an.» (Gal. 3,26 f.)

Dr. Odo Casel O.S.B., Die Liturgie als Mysterienfeier, 1922, S.50 f.

Das Supplices – tiefgebeugt – ist sozusagen der körperliche Ausdruck für das, was die Bibel Demut nennt.

So ist das Supplices eine Gebärde von großem Tiefgang; sie erinnert uns körperlich an die seelische Haltung, die dem Glauben wesentlich ist. Erstaunlicherweise haben mehrere moderne Übersetzungen das Supplices einfach weggelassen. Vielleicht hielten sie den körperlichen Ausdruck, der damit in der Tat verschwunden ist, für unwichtig; vielleicht auch für unschicklich für einen modernen Menschen. Sich vor Menschen zu beugen, um ihre Gunst zu erwerben, ist in der Tat unangemessen. Aber sich vor Gott zu beugen ist nie unmodern, weil es der Wahrheit unseres Seins entspricht. Und wenn der moderne Mensch es verlernt haben sollte, dann ist es um so mehr unsere Aufgabe als Christen in der modernen Welt, es wieder zu erlernen und es auch unsere Mitmenschen zu lehren.

Joseph Ratzinger, Der Geist der Liturgie, S. 176 ff.