Zitate

Die Gnade setzt die Natur voraus 

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Salzburger Dom, Karwoche

In der Liturgie spricht die Stimme der Natur mit Kraft. Man braucht nur die Psalmen zu lesen, in denen der ganze Mensch zum Vorschein kommt, wie er ist. Da zeigt sich die Seele mutig und verzagt, froh und traurig, voller edler Gesinnung, aber auch voll Sünden und innerer Kämpfe, eifrig für alles Gute und wieder matt und niedergeschlagen. Oder die Lesungen des Alten Testaments. Wie tritt in ihnen die menschliche Natur unverhüllt zu Tage! Nichts wird beschönigt oder bemäntelt. Ebenso in den Weiheworten der Kirche, in den Gebeten der Sakramentenspendungen. In ihnen herrscht eine erquickende Natürlichkeit. Die Dinge werden beim Namen genannt. Der Mensch ist voller Fehler und Schwächen, und als solchen nimmt ihn auch die Liturgie. Seine Natur ist ein Gewebe aus Adel und Armseligkeit, von Hohem und Niedrigem, und so steht er in den Gebeten der Kirche; kein zurechtgemachtes Menschenbild, aus dem die herben und schlimmen Züge sauber herausgenommen wären, sondern der Mensch, wie er ist.

Romano Guardini, Vom Geist der Liturgie, 1951, S. 16

Jetzt muss nur noch das Selbstbild auch akzeptiert und nicht immer schön und passend geredet werden…

Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie…

…So kommt es einem zumindest vor, wenn man folgende Ausführungen zur Quadragesima in Rom liest. 😉

Der Eifer der einzelnen sollte die anderen ermuntern, die Erstlingsbegeisterung der Täuflinge sollte alle erbauen. Dann sollte der heilige Ort, die Kirche des Stationsheiligen, wirken. Sein Beispiel, sein Wort, ja seine Person stand lebendig vor der Gemeinde. Das war die Bekehrungsmethode der alten Kirche. Es half da beides zusammen: das opus operatum und das opus operantis oder die innere Wirksamkeit der Eucharistie mit der gewaltigen psychologischen Einwirkung, die der Stationsfeier innewohnte. Machen wir uns diese nur klar:
Die alte Kirche kannte die tägliche Meßfeier nicht, jetzt in der Quadragesima findet sie fast täglich statt; der Dominus apostolicus der Papst ist anwesend, die Täuflinge, die Büßer sind eine lebendige Predigt, der gemeinsame Zug, das Zusammenströmen vieler Gläubigen, die ehrwürdige Kirche, die Grabstätte eines verehrten Heiligen, die Predigt, alle diese psychologischen Mittel sind nicht zu übersehen.

Pius Parsch, Das Jahr des Heiles, 1929, S. 332 f.

Die Naturen des Lebens

In der natürlichen Ordnung kann das Samenkorn, dass in der Eichel enthalten ist, keine Eiche werden, wenn es nicht die Natur der Eiche hat, wenn es nicht, wenn auch verborgen, das gleiche Leben enthielte. Ein kleines Kind könnte kein erwachsener Mensch werden, wenn es nicht eine vernunftbegabte Seele hätte, wenn nicht die Vernunft in ihm schlummerte. Ebenso könnte ein irdischer Christ kein Seliger des Himmels werden, wenn er nicht in der Taufe das göttliche Leben empfangen hätte.

Und wie man die Natur des in der Eichel verborgenen Samenkorns nur in seinem vollendeten Zustand, in der Eiche, erkennen kann, so kann man auch das Gnadenleben nur in seiner letzten Entfaltung, in der ewigen Herrlichkeit, in seiner Vollendung erkennen.[…]

Im Grunde ist es das gleiche übernatürliche Leben, die gleiche heiligmachende Gnade und dieselbe Liebe, mit zwei Unterschieden. Hienieden erkennen wir Gott auf übernatürliche und unfehlbare Weise nicht in der Klarheit der Schau, sondern in der Dunkelheit des Glaubens; um so mehr hoffen wir, ihn einmal auf unverlierbare Weise zu besitzen.

Réginald Garrigou-Lagrange OP, Die drei Bekehrungen und die drei Wege, 1948, S.14

Die „mysteriöse“ Sprache

Auch die Form, in der die Liturgie gefeiert wird und die ja aus ihrem Mysteriencharakter hervorwächst, nimmt teil an dieser zugleich schützenden und verherrlichenden Kraft. Die Symbole zeigen an und verhüllen. Hier liegt auch der tiefste Grund, weshalb die Liturgie nicht in der Sprache des Alltags, sondern in altehrwürdiger Kultsprache gehalten wird. Zeiten rationalistischer Aufklärung, die den Hauptwert des Gottesdienstes in sittlicher Belehrung und Erziehung zu guten Staatsbürgern fand, nahmen immer wieder daran Anstoß. Demgegenüber wiesen erleuchtete Geistesmänner auf die tiefe Bedeutung einer altgeheiligten, erhabenen Sprache für den Kult hin. Aus der Fülle der Gründe, die dafür sprechen, heben wir unserem Thema entsprechend nur einen hervor:  Die Liturgie will in erster Linie Verehrung Gottes sein. Deshalb muss ein Schimmer von der Heiligkeit und Majestät Gottes auf sie fallen. Würde sie aber in der Sprache des alltäglichen Verkehrs gehalten, so würde der zarte Duft einer höheren Weihe von ihr gewischt. Der feingewirkte Schleier der fremden Sprache, der auch für den der Sprache Kundigen den heiligen Text in eine höhere Sphäre erhebt und mit geheimnisvoller Würde umwittert, gibt der Liturgie ein größeres Ansehen und einen überirdischen Glanz. Auch der zweite Zweck der Liturgie, der mit dem ersten im Grunde zusammenfällt, die Heiligung der Seelen, wird durch die alte Sprache nicht gehemmt, sondern eher gefördert. Denn nicht Belehrung des Verstandes und Erziehung des Willens ist das, was die Mysterien zunächst anstreben, sondern ein innerliches Erfahren des göttlichen, übernatürlichen Lebens. Das Heilige aber wirkt in erster Linie nicht auf den Verstand oder den rationalen Willen, sondern auf die Seele.  Das geheimnisvolle Schweigen, das schließlich auch in der Anwendung einer fremden Sprache liegt, redet aber lauter von der Heiligkeit Gottes als die eindringlichste Belehrung. Der Mensch strebt zudem gerade im Gottesdienst über sein gewöhnliches Dasein hinaus; unwillkürlich greift er, wenn er von Gott oder zu Gott spricht, zu erhabenen Worten, die sonst nicht in seinen Mund kommen. Gerade die antiken Sprachen aber haben schon aus sich und jetzt auch noch durch ihre objektive, feierliche Unveränderlichkeit eine Kraft und Würde, die von keiner lebenden Sprache erreicht werden. So eignen sie sich besonders zu einer sakralen Sprache. Ein Abglanz zeitloser Ewigkeit fällt durch sie auf die gottesdienstliche Handlung.

Dr. Odo Casel, Die Liturgie als Mysterienfeier, 1922, S.146 f.

Da stellt man sich doch folgende Fragen: Wieso gibt es nicht mehr viele von diesen »erleuchtenden Geistesmänner«? Will die Liturgie heute nicht mehr »Verehrung Gottes« sein? Wieso nimmt man der Liturgie ihr »großes Ansehen« und den »überirdischen Glanz«? Möchte man nicht mehr auf die Seele einwirken?

Heilige Drei Könige

„Im Golde“, so singt die Kirche, „wird die Macht des Königs gezeigt, im Weihrauch erkenne den Hohepriester und in der Myrrhe das Begräbnis des Herrn.“ 

Treuen Dienst erweise, Christ, deinem König.

Inbrünstige Gegenliebe schenke Ihm als dem Priester, der für dich sein Blut am Kreuz dargebracht hat und sich selber ganz auf unseren heiligen Altären täglich aufopfert.

Und Ihn als den mit Myrrhe Getränkten und für dich Getöteten ahme nach durch Liebe zum Kreuz und freudiges Ertragen der Widerwärtigkeiten.

Pater Nikolaus Lancicius SJ (1574-1652)

Bis zum Ende dauert das »Heute« Christi

Der Herr ist uns zuvorgekommen, er hat all das Unsere schon getan, er hat den Weg geöffnet, den wir nicht auftun konnten, weil unsere Kraft nicht reichte, die Brücke zu Gott hinüber zu bauen. Er ist sie selber geworden. Und nun geht es darum, dass wir uns in dieses Sein »für« aufnehmen lassen, dass wir uns umfangen lassen von seinen geöffneten Armen, die uns hinaufziehen. Er, der Heilige, heiligt uns mit der Heiligkeit, die wir alle uns selber niemals geben könnten. Wir werden einbezogen in den großen geschichtlichen Prozess, in dem die Welt zugeht auf die Verheißung »Gott alles in allem«.

Joseph Ratzinger, Der Geist der Liturgie, S. 52

Es wird mal wieder Zeit für ein paar schöne Worte…

In diesem Zusammenhang gehört es auch, daß das Verbum bara im Alten Testament zwei – und nur zwei – Bedeutungen hat. Es bezeichnet einerseits den Vorgang der Schöpfung der Welt, das Scheiden der Elemente, das aus Chaos Kosmos werden läßt; es bezeichnet zum anderen den Grundvorgang der Heilsgeschichte, das heißt die Erwählung und die Scheidung von rein und unrein, als das Hervorbringen der Geschichte Gottes mit den Menschen und so die geistige Schöpfung, die Schöpfung des Bundes, ohne den der geschaffene Kosmos ein leeres Gehäuse bliebe. So stehen Schöpfung und Geschichte, Schöpfung, Geschichte und Kult in einem Wechselverhältnis: Schöpfung wartet auf den Bund, aber der Bund vollendet die Schöpfung und bewegt sich nicht neben ihr. Wenn aber der Kult – recht verstanden – die Seele des Bundes ist, dann heißt dies, daß er nicht nur den Menschen rettet, sondern die ganze Wirklichkeit in die Gemeinschaft mit Gott hineinziehen soll.

 
 

Joseph Ratzinger – Der Geist der Liturgie, Herder-Verlag, 2000, S.23

Erbauliches aus der Bibel

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Heutiger Abendhimmel (vom Wohnzimmer aus)

Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes; vom Werk seiner Hände kündet das Firmament. Tag gibt dem Tag die Botschaft weiter, Nacht verkündet der Nacht die Erkenntnis. Ohne Rede und ohne Worte, man hört ihre Stimme nicht. Dennoch ergeht über alles Land ihr Schall, bis ans Ende der Welt ihre Sprache. Er schuf für die Sonne ein Zelt daselbst. Sie ist wie ein Bräutigam, der aus seinem Gemache hervorkommt, läuft freudig wie ein Held die Bahn. Vom Ende des Himmels geht sie aus, und ihr Umlauf reicht wieder bis an sein Ende. Nichts kann sich ihrer Glut entziehen.

Ps 19: 1-7

Bei den Worten über die Sonne dachte ich vielmehr an unseren Herrn Jesus Christus, daher fand ich sie umso bewegender.